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Symbolbild

Das Klinikum Mutterhaus sucht Kinder-Hämato-Onkologen

Situation

Die Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen verweist seit einem Jahr Patientinnen und Patienten zur intensiven stationären Chemotherapie an die Uniklinik in Homburg (Saar). Die ambulante Therapie und Nachsorge erfolgt weiterhin im Klinikum Mutterhaus. Gründe für den Aufnahmestopp waren das Fehlen von spezialisiertem Pflegepersonal und von Fachärzten. Ab April 2019 wird die Station, auf der die Kinder mit bösartigen Erkrankungen versorgt werden, wieder über mehr Pflegekräfte verfügen als vor dem Aufnahmestopp. Es fehlen dann aber spezialisierte Ärzte, sogenannte Kinder-Hämato-Onkologen.

 Qualitätsstandards

In der „Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten gemäß § 136 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB V für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Richtlinie zur Kinderonkologie, KiOn-RL)“ sind die Qualitätskriterien geregelt. Darin werden auch Vorgaben zum Personal gemacht. Die Richtlinie besagt, dass „Einem Zentrum […] die fachlich leitende Ärztin oder der fachlich leitende Arzt und mindestens zwei weitere vollzeitig tätige Fachärztinnen oder zwei weitere vollzeitig tätige Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin angehören [müssen], die über die Anerkennung für den Schwerpunkt ‚Kinder-Hämatologie und –Onkologie‘ verfügen.“[1]

 Ärztemangel

Aktuell erfüllt das Klinikum diesen Qualitätsstandard noch, da derzeit noch drei Kinder-Hämato-Onkologen in Vollzeit dort arbeiten. Zwei dieser Ärzte verlassen das Haus jedoch: Einer zum 31.3.19, weil er Chefarzt wird, eine weitere Ärztin zum 30.6.19, weil sie sich in einem anderem Spezialgebiet weiter qualifizieren möchte. Eine Kinderärztin des Klinikums Mutterhaus absolviert derzeit in Homburg das letzte Jahr ihrer Weiterbildung zur Kinder-Hämato-Onkologin. Sie kehrt am 1.3.19 ins Klinikum zurück und wird im Frühjahr Ihre Prüfung im Spezialgebiet vor der Ärztekammer ablegen können. Somit fehlt dem Haus perspektivisch eine weitere Ärztin bzw. ein Arzt mit der entsprechenden Qualifikation.

Bundesweit gibt es ca. 300 Kinder-Hämato-Onkologinnen und –Onkologen. Das  Klinikum Mutterhaus sucht „all-rounder“, die auch in anderen Bereichen der Kinder- und Jugendmedizin eingesetzt werden können. Für spezialisierte Ärztinnen und Ärzte ist das eher unattraktiv, da sie in anderen großen Kliniken rein in der Kinder-Hämato-Onkologie tätig sein können.

Das Klinikum Mutterhaus bezahlt nach den Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) des Caritasverbandes in Anlehnung an den Tarifvertrag des Marburger Bundes für kommunale Krankenhäuser. Kirchliche Krankenhäuser bieten zudem Leistungen zur Altersvorsorge an, durch die sie attraktiver sind als z.B. Unikliniken. Dennoch ist die Suche nach Personal schwierig.

Fallzahlen

Bundesweit gibt es pro Jahr ca. 2000 Kinder und Jugendliche, die neu an Krebs erkranken.. Diese werden in 60 Kliniken behandelt. Dabei ist zu beachten, dass die Fallzahlen in den Kliniken sich stark unterscheiden. Das Mutterhaus rechnet mit ca. 12-20 Neuerkrankungen pro Jahr.

Die Kinder- und Jugendmedizin im Mutterhaus hat im Jahr ca. 3000 Fälle, von denen weniger als 10% Krebserkrankungen haben. Dabei ist zu beachten, dass Fälle nicht gleich Neuerkrankungen sind. Jeder Patient/jede Patientin der Onkologie wird im Laufe der langfristigen Behandlung mehrmals entlassen und aufgenommen. Mit der Aufnahme wird er/sie als neuer Fall registriert. Die Zahl der Fälle und die der Patientinnen und Patienten unterscheidet sich daher.

Ein Teil der Neuerkrankungen wird unabhängig vom Ärztemangel weiterverwiesen. Grund dafür ist, dass die Onkologie mittlerweile stark individualisiert ist. Spezielle Tumore können nur oder deutlich besser in bestimmten Fachkliniken behandelt werden.

Fazit

Das Problem, dass in Spezialgebieten qualifizierte Ärzte fehlen, ist nach wie vor auch im ganzen Raum Trier gegeben. Wie auch beim Personalmangel in der Pflege sieht das Krankenhaus hierin auch ein politisches Problem. Durch den Mangel ist es aktuell nicht möglich, die Qualitätsstandards zu erfüllen. Es muss dringend gehandelt werden. Bund und Länder sind in der Pflicht, mehr in die Ausbildung von Ärzten zu investieren, auch in hochspezialisierten Bereichen. Hier bleibt Handlungsbedarf weit über Trier hinaus bestehen.

 


[1] Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten gemäß § 136 Absatz 1 Satz 1

Nummer 2 SGB V für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Richtlinie zur Kinderonkologie, KiOn-RL, Stand: 7. November 2018), §4 (1) (https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1760/KiOn-RL_2018-11-07_iK-2019-01-01.pdf, letzter Aufruf 06.02.2019).

 

 


Wahlprogramm zur Kommunalwahl in Trier am 26. Mai 2019

Menschen vor Profite - Pflegenotstand stoppen!

(Zum Download der Präsentation bitte auf die obige Grafik klicken)

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Das Klinikum Mutterhaus sucht Kinder-Hämato-Onkologen

Situation

Die Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen verweist seit einem Jahr Patientinnen und Patienten zur intensiven stationären Chemotherapie an die Uniklinik in Homburg (Saar). Die ambulante Therapie und Nachsorge erfolgt weiterhin im Klinikum Mutterhaus. Gründe für den Aufnahmestopp waren das Fehlen von spezialisiertem Pflegepersonal und von Fachärzten. Ab April 2019 wird die Station, auf der die Kinder mit bösartigen Erkrankungen versorgt werden, wieder über mehr Pflegekräfte verfügen als vor dem Aufnahmestopp. Es fehlen dann aber spezialisierte Ärzte, sogenannte Kinder-Hämato-Onkologen.

 Qualitätsstandards

In der „Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten gemäß § 136 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB V für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Richtlinie zur Kinderonkologie, KiOn-RL)“ sind die Qualitätskriterien geregelt. Darin werden auch Vorgaben zum Personal gemacht. Die Richtlinie besagt, dass „Einem Zentrum […] die fachlich leitende Ärztin oder der fachlich leitende Arzt und mindestens zwei weitere vollzeitig tätige Fachärztinnen oder zwei weitere vollzeitig tätige Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin angehören [müssen], die über die Anerkennung für den Schwerpunkt ‚Kinder-Hämatologie und –Onkologie‘ verfügen.“[1]

 Ärztemangel

Aktuell erfüllt das Klinikum diesen Qualitätsstandard noch, da derzeit noch drei Kinder-Hämato-Onkologen in Vollzeit dort arbeiten. Zwei dieser Ärzte verlassen das Haus jedoch: Einer zum 31.3.19, weil er Chefarzt wird, eine weitere Ärztin zum 30.6.19, weil sie sich in einem anderem Spezialgebiet weiter qualifizieren möchte. Eine Kinderärztin des Klinikums Mutterhaus absolviert derzeit in Homburg das letzte Jahr ihrer Weiterbildung zur Kinder-Hämato-Onkologin. Sie kehrt am 1.3.19 ins Klinikum zurück und wird im Frühjahr Ihre Prüfung im Spezialgebiet vor der Ärztekammer ablegen können. Somit fehlt dem Haus perspektivisch eine weitere Ärztin bzw. ein Arzt mit der entsprechenden Qualifikation.

Bundesweit gibt es ca. 300 Kinder-Hämato-Onkologinnen und –Onkologen. Das  Klinikum Mutterhaus sucht „all-rounder“, die auch in anderen Bereichen der Kinder- und Jugendmedizin eingesetzt werden können. Für spezialisierte Ärztinnen und Ärzte ist das eher unattraktiv, da sie in anderen großen Kliniken rein in der Kinder-Hämato-Onkologie tätig sein können.

Das Klinikum Mutterhaus bezahlt nach den Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) des Caritasverbandes in Anlehnung an den Tarifvertrag des Marburger Bundes für kommunale Krankenhäuser. Kirchliche Krankenhäuser bieten zudem Leistungen zur Altersvorsorge an, durch die sie attraktiver sind als z.B. Unikliniken. Dennoch ist die Suche nach Personal schwierig.

Fallzahlen

Bundesweit gibt es pro Jahr ca. 2000 Kinder und Jugendliche, die neu an Krebs erkranken.. Diese werden in 60 Kliniken behandelt. Dabei ist zu beachten, dass die Fallzahlen in den Kliniken sich stark unterscheiden. Das Mutterhaus rechnet mit ca. 12-20 Neuerkrankungen pro Jahr.

Die Kinder- und Jugendmedizin im Mutterhaus hat im Jahr ca. 3000 Fälle, von denen weniger als 10% Krebserkrankungen haben. Dabei ist zu beachten, dass Fälle nicht gleich Neuerkrankungen sind. Jeder Patient/jede Patientin der Onkologie wird im Laufe der langfristigen Behandlung mehrmals entlassen und aufgenommen. Mit der Aufnahme wird er/sie als neuer Fall registriert. Die Zahl der Fälle und die der Patientinnen und Patienten unterscheidet sich daher.

Ein Teil der Neuerkrankungen wird unabhängig vom Ärztemangel weiterverwiesen. Grund dafür ist, dass die Onkologie mittlerweile stark individualisiert ist. Spezielle Tumore können nur oder deutlich besser in bestimmten Fachkliniken behandelt werden.

Fazit

Das Problem, dass in Spezialgebieten qualifizierte Ärzte fehlen, ist nach wie vor auch im ganzen Raum Trier gegeben. Wie auch beim Personalmangel in der Pflege sieht das Krankenhaus hierin auch ein politisches Problem. Durch den Mangel ist es aktuell nicht möglich, die Qualitätsstandards zu erfüllen. Es muss dringend gehandelt werden. Bund und Länder sind in der Pflicht, mehr in die Ausbildung von Ärzten zu investieren, auch in hochspezialisierten Bereichen. Hier bleibt Handlungsbedarf weit über Trier hinaus bestehen.

 


[1] Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten gemäß § 136 Absatz 1 Satz 1

Nummer 2 SGB V für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Richtlinie zur Kinderonkologie, KiOn-RL, Stand: 7. November 2018), §4 (1) (https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1760/KiOn-RL_2018-11-07_iK-2019-01-01.pdf, letzter Aufruf 06.02.2019).