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Katrin Werner, DIE LINKE: Digitale Teilhabe für ältere Menschen garantieren

Rede: Digitale Teilhabe für ältere Menschen garantieren

Es gibt eine massive digitale Spaltung unter älteren Menschen, die durch die Corona-Pandemie besonders deutlich wird. Viele ärmere Menschen können sich Geräte nicht leisten, manchen fehlt es am Wissen oder an Kompetenzen und viele ältere Menschen, insbesondere im ländlichen Raum, haben nicht mal einen Internetanschluss. Es gibt ein Recht auf digitale Teilhabe für alle Menschen und das muss verwirklicht werden.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beraten heute den achten Altersbericht der Bundesregierung mit dem Titel „Ältere Menschen und Digitalisierung“. Am Anfang möchte ich kurz zitieren:

"Die Bundesregierung teilt darüber hinaus die Auffassung der Kommission, eine gute technische Infrastruktur sicherzustellen. Sie ist eine der zentralen Voraussetzungen für Teilhabe und Selbständigkeit. Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche unserer Gesellschaft und Wirtschaft."

Weiter heißt es:

"Der Gefahr, hier von wichtigen Teilhabemöglichkeiten ausgeschlossen zu werden, muss stärker begegnet werden."

Sehr geehrte Bundesregierung, das ist ein Zitat aus der Stellungnahme zum siebten Altenbericht von 2016. Heute reden wir über den achten, und dieser stellt fest: Wir haben es mit einer massiven digitalen Spaltung unter älteren Menschen zu tun. Viele Menschen können sich Geräte nicht leisten, es fehlt an Wissen, und es fehlt an Kompetenzen. Und viele ältere Menschen, insbesondere im ländlichen Raum, haben nicht mal einen Internetanschluss, oder der, den sie haben, ist zu langsam.

Im Januar wurde Ihnen der Bericht übergeben. Seitdem ist digitale Teilhabe älterer Menschen durch Corona umso wichtiger geworden. Missstände haben sich verschärft. Viele Menschen sind zu Hause oder im Pflegeheim von digitaler Kommunikation abgetrennt. Hier müssen wir schnellstmöglich voranschreiten.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Der Bericht wird sehr deutlich, und auch wir Linke sagen:

Erstens. Wir brauchen flächendeckendes Internet im ganzen Land und in allen Pflege- und Altenheimen.

Zweitens. Ältere Menschen, die in Armut leben, müssen Geld für einen Internetanschluss und für digitale Geräte erhalten.

Drittens. Wir brauchen wohnortnahe Unterstützungsangebote, die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Geräten vermitteln. Ältere Menschen haben ein Recht auf digitale Teilhabe, und die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass das schnellstmöglich verwirklicht wird.

Es wurde bereits angesprochen: Neue Technologien können dazu beitragen, dass Menschen eben länger in ihren eigenen vier Wänden wohnen können. Hausnotrufsysteme, Sensoren, die bei Stürzen das Pflegepersonal oder die Nachbarn informieren, oder auch Haushaltsroboter können dabei helfen.

Auch der Kontakt zu anderen Menschen kann erleichtert und Einsamkeit kann reduziert werden: durch Videoanrufe, durch die Nutzung von sozialen Medien und Apps für Nachbarschaftshilfe. Gerade in Coronazeiten ist das alles superwichtig. Ebenso können Gesundheitsprävention und Pflege verbessert werden.

Bei allen Chancen, die die Digitalisierung bietet, ist für uns Linke aber klar: Nichts, aber auch gar nichts ersetzt den persönlichen Kontakt. Direkte Kontakte und Begegnungen müssen durch die Digitalisierung ermöglicht bzw. ergänzt und eben nicht ersetzt werden.

Pflegeheime sind in den letzten Jahren kaputtgespart worden. Es fehlt massiv an Pflegekräften und an digitaler Infrastruktur. Das verhindert Teilhabe und Kommunikation von Bewohnerinnen und Bewohnern. In der Pandemie zeigt sich das besonders deutlich. Wir müssen hier dringend schneller und mehr investieren.

(Beifall bei der LINKEN)