Im Westen was Neues? - Für strukturelle Kulturpolitik in Trier
Kulturpolitik wird von vielen nur als Taschenspielerei gesehen, die gerade mal notwendig ist, da man in Trier nun mal Kultur und Geschichte hat. Vor allem wird in Kulturpolitik immer eine Last gesehen, die recht kostenintensiv ist und so im Duktus der städtischen Finanzkontrolle nur von der Ausgabenseite betrachtet wird.
Kulturpolitik wird von vielen nur als Taschenspielerei gesehen, die gerade mal notwendig ist, da man in Trier nun mal Kultur und Geschichte hat. Vor allem wird in Kulturpolitik immer eine Last gesehen, die recht kostenintensiv ist und so im Duktus der städtischen Finanzkontrolle nur von der Ausgabenseite betrachtet wird.
Zwar haben sich in Trier einige kulturelle Zentren ausgebildet, deren Charakter auch durch touristische und wirtschaftliche Standortfragen geprägt sind, und mit denen Großevents wie „Brot und Spiele“ oder die „Antikenfestspiele“ einhergehen. Aber auch mit der TUFA, dem Chat Noir, den Hochschulen in Trier sowie vielen kulturellen Gruppen in den einzelnen Stadtteilen hat Trier ein ausgeprägtes und vielfältiges Angebot.
Diese Vielfalt erschwert jedoch auch die kulturpolitische Arbeit. Während in den 70er Jahren Kultur infrastrukturell durch sozio-kulturelle Zentren einen Aufschwung erlebten und dezentral in den Stadtteilen sich unterschiedliche Gruppen betätigten und so einen aktiven Beitrag zur Kulturvielfalt leisteten, sind seit den 90er Jahren diese Zentren eher im Verschwinden begriffen. Dafür kann man zwei Gründe nennen: 1. Kommunale Kulturpolitik wird nur an der Eliteschicht ausgerichtet. 2. Kultur wird an den Konsumrichtlinien Entertainment und Kosten ausgerichtet. Damit werden wirtschaftliche Interessen über eine kulturelle Vielfalt gestellt.
Trier hat mit der TUFA und den zahlreichen Projekten an der Uni sowie in den Stadtteilen ein gutes kulturelles Angebot, um diese Vielfalt beizubehalten. Doch auch hier könnte eine strukturelle Kulturpolitik dem kulturellen Potential der Stadt gerecht werden.
Schaut man sich beispielsweise die bunte Landschaft der Theatergruppen der Universität Trier an, stellt man eine hohe Fluktuation an Neugründungen und Auflösungen fest. Dies zeugt von viel kreativer Energie, die kommunalpolitisch gefördert werden muss. Zwar hat das Kulturreferat des AStA Triers eine Vernetzung der Theatergruppen erreicht, doch kann er den Gruppen nicht infrastrukturelle Unterstützung bieten, wie es die Kommunen leisten könnten.
Umso reizender ist die Idee, in Trier-West aus dem ehemaligen Bahngelände ein kulturelles Zentrum zu machen. Daraus ergäben sich wesentlich Vorteile:
· Trier-West könnte zum alternativen Kulturstadtteil werden, dies würde das Prestige des Stadtteils heben.
· Durch Agglomerationsvorteile können in Trier-West weitere kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden sowie Wirtschaftszweige, die in kulturbenachbarten Gewerbe auftreten (Gastronomie etc.)
· Durch eine Ansiedlung des Kulturbetriebes in Trier-West würden konzeptionelle Lücken des Masterplans geschlossen.
· Dezentrale kulturelle Gruppen erhielten neben ihren Tätigkeitsorten in den Stadtteilen und an der Uni einen zentralen Auftrittsort. Dies kann zur Stabilisierung und Etablierung von Laienkulturgruppen führen, mit deren Einbindung die kulturelle Vielfalt in Trier erhalten und ausgebaut werden kann.
Damit Trier-West aber zu einem alternativen Kulturzentrum wird, bedarf es der angemessenen Finanzierung. Dass hierzu Investoren gesucht werden, ist verständlich. Jedoch darf Kulturpolitik nicht ökonomisiert werden – dies zerstört gerade die kulturelle Vielfalt – Grundstücke dürfen nicht privatisiert werden, vielmehr müssen sie in kommunaler Trägerschaft bleiben, damit infrastrukturelle Ziele durch die Stadt umgesetzt werden können. Wirtschaftliche Interessen müssen sorgfältig und sozial verträglich bedacht und durch Agglomerationsvorteile abgedeckt werden. Den dezentralen Kulturstätten darf jedoch nicht der Boden unter den Füßen weggerissen werden, sondern sie sollten durch einen zentralen kulturellen Sammelpunkt ergänzt werden.
Im Westen was Neues? Die Gestaltung des Stadtteils zu einem alternativen Kulturzentrum, dass Sammelpunkt der dezentralen Kulturschaffenden in Trier sein könnte, wäre das Ziel einer nachhaltige Stadtteilrahmenplanung. Geschähe dies ohne Privatisierungsavancen wäre dies ein Stück aktiver LINKER Kultur- und Infrastrukturpolitik.