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Schulentwicklungskonzept ohne klare Linien

Katrin Werner


- Ein Kommentar von Katrin Werner


Schulpolitik in Trier ist nicht einfach. Statt Erfolgsmeldungen hörte man in der letzten Zeit nur von Fehlplanungen und Schulschließungen. In der Integrierten Gesamtschule (IGS) wurde vergessen, ein Fahrstuhl für körperlich behinderte SchülerInnen einzubauen. Bei der Sanierung des Gebäude J der Berufsschule hat man sich so stark verkalkuliert, dass man 300.000 Euro nachträglich im Haushalt beschließen musste. Schulschließung wurden wegen mangelnder Schülerzahlen vorgenommen. Die Black-Liste der Grundschulen, die geschlossen werden sollen, ist auch nicht veröffentlicht und wird in den Stadtteilen noch für reichlich Wirbel sorgen. Und last but not least: Die Ansiedlung einer Realschule Plus in Trier-West wurde vom Land gestoppt. Keine gute Nachrichten für den Schulstandort Trier!

 

Zugegeben! Die Sachlage ist kompliziert, die Entscheidungen verliefen nicht transparent. Wer für die Fehlplanungen bei der Schulkonzeptplanung verantwortlich ist, weiß man nicht. Was man weiß, die Idee vier Realschulen Plus in Trier anzusiedeln, ist nun endgültig gescheitert. Auch die Instandsetzung von drei Realschulen wird nach den neusten Entwicklungen nicht mehr als realistisch eingeschätzt.

Was ist passiert? Im März beschloss der Stadtrat mit breiter Mehrheit für Trier-West als Standort für eine Realschule Plus. Zuvor wurde vom Schulträgerausschuss und Stadtrat eine Prioritätenliste für drei integrierte Realschulen Plusberaten, die in der Reihenfolge 1. Trier-West, 2. Trier-Nord, 3. Trier-Ehrang eine Ansiedlung vorsah. Die Realschule Plus in Trier-West wurde zweizügig geplant, d. h. es gibt jeweils zwei Klassen pro Jahrgang. Das Land Trier machte aber Dreizügigkeit (drei Klassen pro Jahrgang) zur Bedingung, dass eine Realschule Plus überhaupt eröffnet werden könne. Dafür reichen die Schülerzahlen in Trier-West jedoch nicht aus. Auch in Trier-Nord gibt es zu wenig SchülerInnen, um eine dreizügige Realschule Plus  nach den Vorgaben des Landes zu ermöglichen. Damit steht als strahlender Dritter Ehrang als Standort für eine Realschule Plus fest.

Dass heißt, die bisherigen Planungen des Stadtrats, samt Schulträgerausschuss, waren umsonst. Nun sind mindestens zwei Fragen spannend:

1.) Warum nennt das Land Dreizügigkeit nicht direkt als Bedingung für die Einrichtung einer Realschule Plus?

2.) Warum soll der Standort Ehrang ausgebaut werden?

 

Zu 1: Der Grund wird wohl das permanente aneinander Vorbeireden von Stadtvorstand und ADD  (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz) sein. Anstatt gemeinsam ein Schulstandortkonzept zu erarbeiten, blockiert die ADD nun das vom Stadtrat beschlossen Standortkonzept der Realschulen Plus. Dabei sind mit Trier-West mehrere infrastrukturelle Projekte verbunden: Soziale Stadt Trier-West, Masterplan Trier West sind Programme, die den Lebensstandard in West-Stadtteil ausbauen sollen. Dass dazu auch ein vernünftiger Schulstandort gehört, ist logisch. Dass das Land nun diesen Standort ablehnt, ist unverständlich. Auch das Argument, Dreizügigkeit sei Voraussetzung für die Ansiedlung einer Realschule Plus, ist hier kritisch zu beäugen. Kleinere Schulen bieten für die SchülerInnen eine bessere Übersichtlichkeit, sie gehen dann weniger schnell im Schulalltag verloren und pädagogische Konzept können konkret umgesetzt werden. In größeren Schulen ist dies schwieriger. Ein persönliches Verhältnis wird dadurch zwischen SchülerInnen und LehrerInnen erschwert.

Andererseits muss man an das Schuldezernat kritische Fragen stellen: Wieso wurde keine Bedarfsermittlung gemacht? Wieso liegen die Zahlen, wie viele SchülerInnen in welche Schule (in welchen Stadtteil) gehen, erst jetzt vor? Müssen bei der Planung eines Schulentwicklungskonzeptes nicht die Bedarfszahlen vorher ermittelt werden? Und nicht erst dann, wenn das Konzept scheitert? Hätte die Stadt erst eine Bedarfsanalyse vorgenommen, bevor sie ein Konzept vorlegt hat, stünden wir heute vor weniger Chaos in der Schulplanung.

Zu 2: Interessant ist auch der Aspekt, dass die ADD die Realschule Plus in Ehrang errichten will. Viel Geld floss dort in die Sanierung des FSG. Es wurde zu einem G8-Gymnasium mit verkürztem Abitur umgestaltet. Dort ist ein neuer Schulkomplex mit Mensa eingerichtet wurden. Für das Land wäre dieser Standort am Kostengünstigsten. Gleichzeitig will man mit dem Standort Ehrang die Abwanderung der SchülerInnen nach Schweich stoppen und ein Ausbluten des Stadtteils verhindern. Es ist nur fraglich, ob die Errichtung einer Realschule Plus dies verhindert. Würde diese Logik stimmen, hätte der große Run auf Ehranger Schulen mit der Sanierung des G8-Gymnasiums stattfinden müssen.

Anstatt in den Stadtteilen (West und Nord) eine weiterführende Schule anzusiedeln, die diese dringend bedürfen, favorisiert man lieber ein kostengünstiges Konzept mit mehreren Schulen an einem Standort. Diese Lösung ist zwar billiger, schafft aber Schulkomplexe mit sehr hohen Schülerzahlen und einer geringen Chance, dass auf die Bedürfnisse einzelner Schüler eingegangen wird. Dezentrale Schulen in den Stadtteilen mit weniger SchülerInnen wäre aus pädagogischer Sicht wesentlich sinnvoller.

Zusammenfassend: Hätte man klare Linien in der Schulentwicklungspolitik in Trier verfolgt, hätte man gegenüber der ADD ein eigenes Konzept durchsetzen können. Hätte man das Konzept an den Zielen kleine Schulen, kleine Klassen und dezentralen Standorten ausgerichtet, könnte man der Stadt nicht den Vorwurf der Planlosigkeit machen. Hätte sich die ADD und damit das Land Rheinland-Pfalz gegen dieses Konzept ausgesprochen, läge der Schwarze Peter nicht bei der Stadt sondern beim Land. So muss sich aber der Stadtvorstand gefallen lassen, dass die Probleme der Trierer Schulpolitik vor allem hausgemacht sind.

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